Pfeil Die gothische Kapellruine in Hammelbach
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Sabine Linzmaier

Die gothische Kapellruine in Hammelbach-

Kirche der ehemaligen Zeit

 

Auf dem unteren Teil des Friedhofes von Hammelbach, unweitder evangelisch-reformierten Pfrrkirche, steht eine gothische Kapellruine. Trotz ihres ruinösen - aber gepflegten - Aussehens ist dieser Kapellenrest ein kunstgeschichtliches Kleinod ersten Ranges. Auch schon die wenigen romantischen Mauerreste vermögen den Betracher in ihren Bann zu ziehen. Die Ruinenschönheit besteht nur noch aus einem dachlosen kleinen, polygonal geschlossenen Chorraum mit reizvolem Fenstermaßwerk und wenigen Gewölbeteilen, beides die gothische Stilepoche verratend. Ruhe und Beschaulichkeit strahlt die gesamte Anlage aus. Die Gemeinde hat vor Jahren hier eine Gedenkstätte für die Opfer der Kriege eingerichtet.

 

Ein Maßwerksturz wurde in den achziger Jahren am Außenmauerwerk an der Kapellruine angebracht. Obwohl hier nicht mehr "in situ" (latein: an Ort uns Stelle), kommt das treffliche Maßwerk an dieser Stelle optimal zur Geltung.

 

auf der Mauerkrone des Chors wachsen zwei Krüppelkiefern, die unter Naturschutz gestellt wurden.

 

Kapellruine HammelbachSchriftliche Urkunden über diese Hammelbacher Kapelle gibt es nicht. Ihre Entstehungszeit dürfte in etwa mit der Lichtenklinger Kapelle zusammenfallen., nämlich um 1350. Obwohl nur noch der Mauerkranz des Chors dieser Kapelle erhalten ist, gibt die Anlage noch genügend Auskunft über den Bau ihrer Zeit. Hinter dem Altar des dreiseitigen östlichen Chorabschlussesfindet sich ein Mittelfenster mit reichem Maßwerk. Das Fenster ist durch einen Mittelpfosten zweigeteilt. Im abschließenden Spitzbogenfeld ist eine aus drei Fischblasen gebildete Rosette zu sehen. Nach unten schließen sich die beiden schmalen, rundbogig geschlossenen Fensterhälften an. Jeder Rundbogen fasst wiederum einen rundbogigen Dreipass. Der spitzbogige Maßwerksturz mit Rosette und den beiden Dreipässen besteht aus einem einzigen Stein.Dr. Heinrich Winter, der sich mit der Hammelbacher Kapellruine ausführlich beschäftigt hat, datiert diese Baudokumente in spätgothische Zeit: "Das Fenster kann kaum viel vor 1400 entstanden sein - eher iost es jünger.", meint er. Neben diesem Mittelfenster gibt es noch zwei seitliche Chorfenster ohne teilende Mittelpfosten. Gewisse Elemente deuten hier auf eine frühere Entstehungszeit, nämlich noch auf das 14. Jahrhundert, hin. Schließlich dienen auch die Anfänge der Gewölberippen einer Zeitstellung. Danach ist die Erbauung des Hammelbacher Kapellenchors um 1400 anzusetzen, d. h. etwas später als die Erbauung der Kapelle zu Lichtenklingen.

 

Reparaturarbeiten an der Kapelle wurden 1661 und 1672 ausgeführt. Die Pfalz führte 1556 die Reformation ein. Damit wurde auch Hammelbach evangelisch-reformiert. 1698 wurde die Hammelbacher Kapelle den Katholiken des Überwaldes zugesprochen. Wegen Baufälligkeit und ihrer abseitigen Lage wurde sie aufgegeben und in Wald-Michelbach für die katholische Bevölkerung des Überwaldes 1739 eine neue Kirche erbaut. Die Hammelbacher reformierte Bevölkerung errichtete in unmittelbarer Nähe der alten gothische Kapelle einen Holzbau, der 1802 durch einen Steinbau ersetzt wurde. 

 

(Quelle: Grasellenbach,Natur-Kultur-Geschichte/Dr. P. W. Sattler und Markus Röth/Geiger-Verlag, Horb am Neckar)